Immo-Dialogforum: Expertise, Ideen und Austausch rund um Gewerbeimmobilien

Beitragsfoto © Christian Fürthner

Anfang Februar wurde der Festsaal der Bezirksvorstehung Hernals zum Treffpunkt für viele Hausbesitzer*innen und Expert*innen aus verschiedenen Bereichen der Immobilienbranche. Das erste Immobilien-Dialogforum widmete sich den aktuellen Fragen zu gewerblich genutzten Immobilien und der Rolle von Erdgeschosszonen als Impulsgeber für belebte Geschäftsquartiere. Viel Raum für Austausch, neue Perspektiven und praxisnahe Einblicke in rechtliche, wirtschaftliche und gestalterische Themenfelder.

 

Der Hernalser Bezirksvorsteher Peter Jagsch eröffnete als Hausherr den Abend mit einer Einordnung, wie wichtig ein aktives Geschäftsleben für das Grätzl ist. Immobilieneigentümer*innen seien in einer verantwortungsvollen Position, um Geschäftsstraßen lebendig zu halten. Die Herausforderungen durch den Online-Handel, der vielerorts zu verwaisten Geschäftsflächen führt, sei spürbar. „Neue Ansiedlungen können hier nicht nur wirtschaftliche Impulse setzen, sondern auch einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen“, so BV Jagsch.

Seitens der Geschäftsquartiere Wien stellte Roland Murauer das neue Format Dialogforum und die Idee dazu vor. Ziel ist immer eine ganzheitliche Standortentwicklung, die Rezepte gegen Leerstände sucht und dabei den Dialog mit Eigentümer*innen als zentrales Element versteht. Geteilte Best Practices sollen Mut machen und zeigen, dass neue Wege möglich sind.

Josef Hutter, Teamleiter in der Abteilung Grätzlwirtschaft und Produktion der Wirtschaftsagentur Wien, gab Einblicke in die Arbeit der Standortagentur und betonte die Bedeutung von lebendigen Quartieren für eine Stadt. Seine zentrale Botschaft: „Projekte wie die Geschäftsquartiere tragen dazu bei, Standorte weiterzuentwickeln und langfristig eine hohe Lebensqualität zu sichern.“ Ergänzend wurde das Programm Kreative Räume Wien vorgestellt, das Zwischennutzungen fördert, kreative Branchen vernetzt und Eigentümer*innen beratend begleitet.

Marie-Sophie Lamezan-Salins, Geschäftsführerin der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der WK Wien, beleuchtete die rechtlichen Rahmenbedingungen rund um Geschäftsräume. Themen wie MRG-Regelungen, Unterschiede zwischen Pacht und Miete, Befristungsabschläge sowie Eintrittsrechte wurden ebenso angesprochen wie aktuelle Leerstandsquoten auf den Geschäftsstraßen in Wien und mögliche Wege, diese zu senken.

Dieter Pock, Partner der TPA Steuerberatung, widmete sich den steuerlichen Aspekten der Vermietung. Er referierte über Einkünfteermittlung und die finanziellen Fallstricke der sogenannten Liebhaberei. Weitere Themen waren Umsatzsteuerfragen und Vorsorgewohnungen sowie Bauherrenmodelle und alternative Organisationsformen wie Vermietungs-GmbHs. „Wie gut sich solche Modelle eignen, muss von Fall zu Fall sehr individuell entschieden werden. Auch Haftungsfragen spielen dabei immer eine wichtige Rolle“, merkte der Experte an.

Dietmar Hofbauer von der WKW-Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder zeigte praxisnah den Weg zu einem guten Mietvertrag auf. „Leerstand kann sich rasch negativ auf den Objektwert auswirken, während aktivierte Flächen zum Wertmotor werden“, gab er den Zuhörenden mit. Trends wie die Rückkehr vieler Unternehmen in Straßenlokale, flexible Nutzungswidmungen und sorgfältige Umfeldanalysen wurden von ihm ebenso thematisiert. „Klare Vertragsstrukturen und eine sorgfältige Prüfung von Flächen und Befristungen sind jedenfalls eine wichtige Basis für richtige und sichere Entscheidungen.“

Karl Weilhartner von der Gießerei Ried, einer Genossenschaft, die sich dem Thema Nachhaltigkeit in vielen Facetten verschrieben hat, richtete den Blick auf neue Denkweisen in der Immobilienentwicklung: „Neben rechtlichen und wirtschaftlichen Faktoren gewinnen Soft Skills, Aufenthaltsqualität und Multifunktionalität zunehmend an Bedeutung. Der Rückgang des stationären Handels ist weniger ein Mangel an Interessent*innen als vielmehr eine Frage neuer Nutzungskonzepte.“ Weilhartner ist sich sicher, dass Kreativität, Gemeinschaft und der sichtbare Charme von Altbauten entscheidende Erfolgsfaktoren sind.

Architekt Helmut Poppe von Poppe Prehal aus Steyr zeigte anhand von Praxisbeispielen, wie Leerstände erfolgreich aktiviert werden können. Schon vor 25 Jahren setzte er auf Bestandssanierung und nachhaltige Materialien. Projekte wie Nordpool Steyr verdeutlichten, wie multidisziplinäre Zusammenarbeit, Umfeldanalysen und neue Nutzungsmischungen – von Gastronomie über Wohnen bis hin zu Gemeindezentren – Frequenz und Leben in Ortszentren zurückbringen können.

Abschließend stellte Margit Schön von der Hauskunft die Beratungsangebote der Stadt Wien für Wohnhaussanierungen vor. Als gut vernetzte Anlaufstelle unterstützt die Hauskunft. Eigentümer*innen bei Fragen rund um Sanierung, Förderungen und Umsetzung.

Im Anschluss an die kompakten Impulsvorträge wurden an Dialogstationen mit allen Vortragenden individuelle Fragen und Anliegen vertiefend besprochen.

Vom rechtlichen Rahmen über wirtschaftliche Strategien und architektonisch-sozialen Blickwinkeln bekamen die Besucher*innen des ersten Immobilien-Dialogformus Hernals ein umfassendes Bild davon, wie Leerstände aktiviert und Geschäftsquartiere nachhaltig und positiv transformiert werden können. Ein vielfältiger und inspirierender Blick auf viele Aspekte von gewerblich genutzten Immobilien.

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